Ein Geburtsbericht - wie der kleine Rabe das Licht der Welt erblickte

Anna erzählt euch heute vom Tag der Geburt des Rabenkinds. Wie die Wehen begannen, und was in den Stunden bis zu der Geburt so alles passierte...


Ich habe mal gehört, dass wir Frauen nach einer Geburt zumindest ansatzweise den Schmerz einer Männergrippe nachempfinden können. Also an dieser Stelle: Respekt an alle Männer da draußen ;)

Denn euch fehlt das Glücksgefühl welches diesen Schmerz vergessen lässt.

Denn diese Floskel "Wenn man sein Baby dann erstmal in den Armen hält, ist der ganze Schmerz vergessen." stimmt, zumindest kurzfristig und teilweise :D

Natürlich weiß ich noch wie weh es getan hat, aber zum Glück hat mich mein Körper durch all die Hormone, Glücksgefühle und die Liebe dies ganz schnell vergessen lassen. 

 

Ich möchte viel früher beginnen. Ich habe in den Wochen vor der Geburt (ab der 36.SSW) an geburtsvorbereitender Akupunktur teilgenommen.  Wichtig ist, dass man dabei lockere Hosen trägt welche man einfach hochschieben kann (Röhrenjeans waren wirklich keine gute Idee :D)

Es hatte im Allgemeinen eine entspannende und beruhigende Wirkung auf mich. Ob es mir während der Geburt wirklich geholfen hat weiß ich nicht. Das werde ich wohl auch nie, denn woher sollte ich jemals erfahren ob sich mein Muttermund genauso schnell geöffnet hätte und ich die gleiche Art von Schmerz durchlebt hätte? Was ich allerdings weiß ist, dass es mir allein dadurch, dass die Akupunktur in der Elternschule meines Krankenhauses, in welchem ich entbinden wollte, stattgefunden hat, schon einige Sicherheit geben konnte, da ich mich dadurch besser im Krankenhaus zurecht fand.

Mein Mann und ich haben an einem Wochenendchrashkurs für Geburtsvorbereitung teilgenommen. Und entgegen unserer Erwartung war es wirklich lustig. Auch einfach deshalb, weil man Eltern in der gleichen Phase ihres Lebens kennen gelernt hat. 

Janina und ich waren gemeinsam bei einem Kurs für Schwangerschaftsyoga. Wir haben aber schnell gemerkt, dass die Art und Weise wie die Dame diesen Kurs geleitet hat nicht dem entsprach was wir uns vorstellten, also trafen wir uns nach den ersten beiden Malen nicht mehr vor dem Yogaraum sondern gingen ganz entspannt einen Tee trinken und gönnten uns somit eine Auszeit. 


In den Wochen vor der Geburt hatte ich schon einige Vorwehen. Am ET selbst ging es mir jedoch hervorragend. Nachdem wir zum CTG im Krankenhaus waren und dieses ohne Fortschritte ausfiel gingen wir ganz mutig ins Kino. In 'Zoomania' musste ich teilweise ein paar Übungswehen wegatmen, der Abend verlief aber im Gesamten sehr entspannt. 

Nachts merkte ich dann, dass mein Schlaf noch unruhiger war als die Wochen zuvor.

Gegen sechs war die Nacht vorbei, es war Sonntag und mein Mann war glücklicherweise mit mir Zuhause. Den ganzen Tag über hatte ich Wehen und ich merkte recht schnell, dass es sich anders anfühlte als die Wochen zuvor. Mein Gatte wollte mich immer wieder überreden zum Krankenhaus zu fahren. Ich spürte jedoch, dass ich noch nicht am Ende der Schmerzen angekommen war und konnte die Wehen gut wegatmen. Es war ertragbar. Außerdem hatte ich wirklich keine Lust wieder nach Hause geschickt zu werden. Also warteten wir.

Ich atmete, mein Mann hängte die Wäsche auf. Ich atmete, mein Mann saugte die Wohnung. Ich atmete, mein Mann machte Foto's. Ich atmete und er verzweifelte.

Mir war übel und essen konnte ich nicht gut, aber er zwang mich dazu etwas Knäckebrot zu mir zu nehmen und machte mir viel Himbeerblättertee.

Ich machte soviel Gebrauch von unserem Gymnastikball wie nie zuvor. Benutze meinen Mann, die Heizung, den Ball und den Türrahmen um mich zu strecken und zu stützen um die Wehen weg zu atmen. Das half.

Mein Mann strahlt immer Ruhe aus, er ist ein sehr gelassener Mensch der den Überblick (außer über die dreckige Küche oder den Aufenthaltsort seiner Socken) selten verliert. Auch an diesem Tag war er mein Ruhepol, obwohl auch ich wider erwarten und völlig entgegen meiner sonst eher wibbeligen Stimmung sehr gelassen war.

Ich war es, die am Besten einschätzen konnte wann es an der Zeit war sich die Kliniktasche zu schnappen und in Richtung Krankenhaus zu fahren. So sagte ich ihm, dass wir noch genug Zeit hätten dass er etwas kochen könne. Als das Essen gegen fünf jedoch gerade fertig war, war es soweit, mich überkam sowas wie Panik. Also ließen wir das gute Essen unangetastet stehen und fuhren los.

Im Krankenhaus angekommen wurde ich ans CTG angeschlossen - und wie das so ist Vorführeffekt, Nervosität und so, schrieb der Wehenschreiber keine großen Ausschläge. Ich schon voll fertig, weil ich einfach nicht wieder fahren wollte, ging auf die Toilette. Als ich wieder zurück kam hatte mein Mann (was er mir erst viel später erzählte) mit der Hebamme über meine Angst nach Hause geschickt zu werden gesprochen und wir bekamen ein Zimmer und die Anweisung nun regelmäßig zur Untersuchung des Muttermunds zum Kreißsaal zu kommen.

Als wir bei der zweiten Untersuchung waren war mein Muttermund erst bei vier Zentimeter und die Hebammen sagten mir eine lange Nacht voraus. Wir liefen ein wenig durch das Krankenhaus, ich atmete einige Wehen weg, die Schmerzen wurden immer heftiger und bei der nächsten Untersuchung, die nur etwa eine dreiviertel Stunde später war, war der Muttermund (Man sagt auch MuMu - ich find aber das hört sich doof an :D) bei sieben Zentimetern. Da alle Kreißsäle frei waren und es wohl verhältnismäßig schnell ging wurde ich in einen Kreißsaal gebracht. Gott, war das aufregend. Jetzt war alles so nah - und gleichzeitig so weit weg. Bald, schon bald würde ich meinen kleinen Sohn in den Armen halten können. Die Hebamme stellte mir eine Hebammenschülerin vor, welche mich während der gesamten Geburt begleiten sollte. Es vergingen zwei weitere Stunden ohne dass die Fruchtblase platzte und ich nahm das Angebot einer warmen Wanne an. Ich hatte keine bevorzugte Geburtslage bzw war offen eine Wassergeburt auszuprobieren. 

Also stieg ich in das warme Wasser und entspannte mich - leider etwas zu sehr denn die Wehen ließen nach, also sollte ich so schnell wie Möglich wieder aus dem Wasser raus um dem Verlauf der Geburt nicht entgegen zu wirken. Leider habe ich einen sehr schwachen Kreislauf (könnte auch mit den stehen gelassenen Spätzle mit Pilzrahmsauce zusammen hängen) und somit sackte ich einfach in mir zusammen. Ich bekam einen Zugang und musste an einen Tropf mit Kochsalzlösung. Nachdem die Wehen wieder das gleiche Stadion wie zuvor erreicht hatten verging wieder eine Weile. Irgendwann war es jedoch so schlimm, dass die Hebammen mir eine PDA empfahlen, da der Muttermund noch nicht weit genug für eine absehbare Geburt geöffnet war und ich beinahe am Ende meiner Kräfte. Ich wollte keine. Nie. Ich hatte mich schon weit vorher dagegen entschieden. Ich wollte es selbst schaffen.

Nach weiteren Wehen und guten Argumenten der Hebammen und meines Mannes - dass ich die Kraft während der Geburt mehr brauchen würde und es nur dem Baby und ein wenig Erholung meinerseits zugute kam willigte ich ein. Auch einfach weil mein Mann so unglaublich verzweifelt aussah, da er mir mit meinen Schmerzen nicht weiter helfen konnte.

Und ganz ehrlich? Es muss natürlich jeder für sich wissen! Aber warum wollte ich mich quälen? Es war eine Wohltat, es gab mir soviel Kraft und als mein kleiner Rabe sich dann tatsächlich auf den Weg machte war die Wirkung verflogen, sodass ich ganz normal mithelfen und pressen konnte. 

Bei jeder noch kommenden Geburt wäre ich weniger Beratungsresistent und nicht nur den verschiedenen Positionen sondern auch einer PDA gegenüber offener.

Irgendwann platze während einer Untersuchung die Fruchtblase und von da an weiß ich keine genauen Details mehr. Vierfüßlerstand klappte nicht, ich lag also ganz einfach mit aufgestellten Beinen auf dem Bett und presste was das Zeug hält. Das Pressen war dabei nicht das was schwer war. Eher das nicht Pressen, das Zurückhalten wenn der Druck kam und die inzwischen anwesende Ärztin mir sagte ich solle noch einen Moment warten. Nach mehreren Presswehen, Händchenhalten meines Mannes, dieser von mir so gefürchteten Scherengeste der Ärztin, zwei Hebammen die sich auf meinen Bauch stützen um zu verhindern dass der kleine Mann wieder zurück rutschte und dem Ausruf  "Gleich ist es geschafft der Kopf ist da, nur noch einmal feste drücken" war mein Rabenkind um 3.29 Uhr endlich auf der Welt. 

Und er war still.

Mein Herz rutschte mir in die Hose (welche ich nicht trug).

Warum schrie er nicht?

Mussten Babys nicht schreien wenn sie kamen?

Ging es ihm gut?

Nach meinem "Jetzt schrei" Schrie er einmal kurz auf und wurde mir auf die Brust gelegt. 

Und mich überkamen soviele Gefühle gleichzeitig. Es ist kaum in Worte zu fassen, aber ich versuche es mal. Schon als er in meinem Bauch war, ein Teil von mir und meinem Mann, wusste ich, dass ich ihn lieben würde. Aber solch eine Art von Liebe, wenn du dein Kind das Erste Mal siehst ist unbeschreiblich. Ich wusste, dass ich nie etwas mehr lieben würde als dieses kleine Wesen. Diesen wunderschönen, zarten Jungen welcher nun der Sinn meines Lebens war, welchen ich beschützen wollte solange ich existiere. 

Als er meine Haut berührte war es als erwache ich aus einer Art Trance. Es war, als würde die Welt anhalten.

Ich empfand Ehrfurcht, Erleichterung, Erstaunen und Stolz.

Stolz auf mich und meinen Körper, meinen Mann und meinen Sohn. Und ich war erschöpft. Ich war so müde, dass ich einfach nur schlafen wollte und so voller Glück dass ich ihn die ganze Nacht beobachten wollte.

Ehrfurcht empfand ich vor diesem neuen Leben für welches ich, wir, nun die Verantwortung trugen. Und ein wenig Wehmut seine kleinen Tritte nun nicht mehr zu spüren. 

Die Liebe zu meinem Kind und meinem Mann überwältigen mich in diesem Augenblick und wir beide lagen uns vor Glück weinend in den Armen.

 

 

Nach einer Weile, nachdem die Plazenta da war schnitt mein Mann die Nabelschnur durch und unser Kleiner wurde untersucht und vermessen. Mein Mann ließ ihn nicht aus den Augen. Ich war erschöpft, erschöpft aber glücklich wie nie zuvor. Der Schmerz war verflogen. Ich wurde ich genäht. Es ging schnell und ich habe nichts gespürt. Mein Mann saß währenddessen verliebt lächelnd mit unserem Sohn im Arm auf einem Sessel an meinem Kopfende. In unserem Krankenhaus gab es als Geschenk zur Geburt übrigens ein selbst gestricktes Mützchen, welches sich mein Mann aussuchen durfte. 

Ich habe lange überlegt, in welcher Art ich meinen Geburtsbericht verschriftlichen möchte, finde aber, er ist sehr ausführlich geworden und hoffe, ich konnte euch ein wenig mitnehmen. 

Da die Geburt des kleinen Raben nun schon 21 Monate her ist, kann ich mich an einige Details nicht mehr so gut erinnern wie kurz nach der Geburt. Bei meinem nächsten Geburtsbericht (falls wir irgendwann noch ein Geschwisterchen für das Rabenkind bekommen) werde ich mir nicht soviel Zeit lassen, es auf Papier zu bringen. 

Es ist mir tatsächlich nicht so leicht gefallen es zu schreiben, andererseits war es irgendwie schön, das alles mit etwas Abstand und ohne das genaue Wissen um den Schmerz nochmal zu durchleben. Da wurde ich doch leicht melancholisch. 

Ich erinnere mich wirklich gern an diesen schweren aber glücklichen Tag zurück und muss im Nachhinein betrachtet zugeben, dass ich wirklich Glück mit dem Ablauf der Geburt hatte und wir beide - also mein Sohn und ich, schon damals ein sehr gutes Team waren. 

 

Der kleine Mann wurde mit 3080g, 53cm und einem Kopfumfang von 35cm geboren. Ein zuckersüßer, zierlicher aber langer Kerl.

 

Das erste Selfie im Krankenhaus nur wenige Stunden nach der Geburt unseres Sohnes. Ich mag dieses Bild total gerne, auch wenn ich fertig ausehe. Fertig aber glücklich und erfüllt.

Eure Anna

 

Was ich noch los werden wollte: Obwohl ich wirklich Angst von einem Dammschnitt hatte und zuvor Dammmassage gemacht habe, war es alles nur halb so schlimm. Ich habe im Nachhinein keine Probleme mit dem Schnitt gehabt. Es wurde schmerzlos genäht, die Nähte im Krankenhaus immer mal wieder untersucht, aber es hat mich nicht beim Sitzen eingeschränkt und beim Wasser lassen auch nicht gebrannt. Also stresst euch nicht allzusehr! Denn hätten die Ärztin und die Hebamme nicht so schnell reagiert, hätte die Geburt nur länger gedauert und wäre für mein Baby schwerer gewesen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0