Erfahrungen

Von kranken Kindern und müden Mamas

Kennt ihr sie auch – diese Tage mit krankem Kind zu Hause, an denen man an seine Grenzen kommt und einfach nur noch schreien könnte? Janina erzählt euch heute von einem dieser Tage, an dem Rabenkind und Lausebengel beide krank waren.


Früher – als ich noch keine Mama war – da mochte ich den Herbst total. Und den Winter sogar noch lieber! Ich bin im Januar geboren und war immer ein Fan der kälteren Jahreszeiten. Seit diese Zeiten allerdings gleichbedeutend mit Krankheitszeiten sind, hat sich das geändert. Heute ist Mittwoch, es ist abends und mein Kind schläft. Endlich. Ich habe diesen Moment den ganzen Tag herbeigesehnt und wenn ich so mit einem Auge aufs Babyfon schaue, wird die Ruhe wohl nicht lange anhalten…

— 10 Minuten später —

…ja ich hatte Recht. Ich musste gerade unterbrechen und den Lausebengel wieder in den Schlaf kuscheln. Unsere Jungs sind krank. Der Lausebengel hat die Hand-Mund-Fuß-Krankheit, das Rabenkind eine fiese Bronchitis und wir Mamas versuchen das ganze irgendwie zu rocken.

Mein Tag begann heute um 6.30 Uhr. Der Lausebengel hatte in mehreren Etappen ein paar Stunden geschlafen und dazwischen war er wach und hat hauptsächlich geschrien. Ich habe alles versucht. Rumtragen, Singen, Essen, Trinken, aus dem Fenster schauen, die Trage – alles. Er ließ sich kaum beruhigen. Ein Zäpfchen hatte er zum Schlafen auch bekommen, damit er vor Fieber und schmerzhaften Bläschen, typisch für die Hand-Mund-Fuß-Krankheit, überhaupt einschlafen konnte. Wieviel ich überhaupt geschlafen habe? Keine Ahnung, dafür müsste ich die Nickerchen zusammenrechnen und dafür bin ich zu müde. Nachdem mein Kind mich also im Halbschlaf aus dem Bett geschmissen hat und wir den Lausepapa verabschiedet haben, werfe ich einen Blick aufs Handy. Voice von Anna – ihre Nacht kann mit meiner mithalten. Das Rabenkind war auch stundenlang wach und ließ sich nicht beruhigen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, also setzen wir uns das erklärte Ziel: Der Mittagsschlaf! Bei der kurzen Nacht müsste der ja ausgiebig werden und in Gedanken kuscheln wir uns schon neben unsere Zwerge und holen die verpasste Nacht nach.

Der Vormittag zieht sich, wie es mit kranken Kindern, mit denen man nichts unternehmen kann, halt so ist. Ich gehe mit dem Lausebengel wie jeden Tag nach dem Frühstück nach draußen und bin froh, dass ich eine Baustelle zum Bagger-gucken finde. Da ist seine Laune auf jeden Fall schonmal gerettet. Der Schlafmangel steckt mir in den Knochen, aber es geht langsam auf die Mittagszeit zu und ich freu mich auf eine Erholungspause. Anna voicet mir das gleiche, das Rabenkind braucht zwar auch viel Aufmerksamkeit, aber noch halten wir beide durch und bestärken uns gegenseitig. Mittagszeit, mit Essen ist bei uns nicht viel, die schmerzhaften Bläschen am Mund quälen mein armes Kind und er ernährt sich heute hauptsächlich von kalter Milch und Tee. Ich merke, wie er müde wird und kuschel mich mit ihm ins Bett – endlich Pause! Er braucht lange, bis er eingeschlafen ist aber dann kann auch ich endlich die Augen schließen und schlafe ein. Gefühlt 10 Sekunden später weckt mich mein jammerndes Kind wieder auf. Haben wir überhaupt geschlafen? Ich trau mich kaum auf die Uhr zu gucken – 30 Minuten sind vergangen. Das kann doch nicht wahr sein. Brauchen kranke Kinder nicht eigentlich mehr Schlaf? Meins scheinbar nicht. Annas auch nicht. Das Rabenkind hat nur 5 Minuten geschlafen. 5 Minuten! Ich höre Anna an, dass ihre Nerven dünner werden und sie langsam an ihre Grenzen kommt. Ich auch. Noch vollkommen benebelt finde ich mich im Kinderzimmer wieder. Gut, dass wir eine Kuschelecke haben. Jetzt bloß nicht einschlafen. Wir gucken Bücher an, bauen mit Bausteinen und fahren Autos hin und her. Aber wie das mit kranken Kindern so ist – eigentlich sind sie mit nichts zufrieden. Und er tut mir so leid! Ich glaube diese Bläschen am ganzen Körper müssen höllisch schmerzen, vor allem am Mund. Ich trage ihn viel rum, kuschel mit ihm und schenke ihm meine Aufmerksamkeit, er weint natürlich trotzdem. Und das macht mich mit der Zeit immer mürber. Er ist krank – er kann nichts dafür – er braucht mich. Ich kann es mir noch so oft ins Gedächtnis rufen, irgendwann machen sich Schlafentzug und auf der Strecke gebliebene Bedürfnisse meinerseits bemerkbar. Ich kann es nicht mehr hören. Ich mache doch schon alles, warum ist er nicht mal ein paar Minuten zufrieden? Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass mein Mann erst in 5 Stunden von der Arbeit kommt, der ganze Nachmittag liegt also noch vor uns. Puh. Ich hangel mich von Stunde zu Stunde, doch irgendwann habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich mich entscheiden muss – entweder ich sage gleich sehr laute sehr böse Sachen zu meinem Kind oder ich muss mit meiner Wut irgendwo anders hin. Ich gehe ins Schlafzimmer, knalle die Tür zu und schreie erstmal in mein Kissen. Huch, das hab ich glaub ich auch noch nie gemacht. Tat aber gut! Ich bin selbst etwas erschrocken von meinem Gefühlausbruch, atme noch einmal tief durch und traue mich wieder raus. Mit neuer Kraft nehme ich mein armes krankes Kind wieder auf den Arm und rede ihm gut zu, er braucht so viel Mama gerade! Und das ist der Job, den ich mir ausgesucht habe. Das Rabenkind fährt laut Annas Voice gerade weinend mit dem Bobbycar durch die Wohnung. Mein Kind nötigt mich zum Staubsaugen, indem er mir den Sauger bringt. Gar keine schlechte Idee, mal ein anderes lautes Geräusch. Ich sauge die ganze Wohnung, mehrmals. Denn da ist der Lausebengel ruhig. Anna hats geschafft – der Rabenpapa ist endlich zu Hause und sie wie sie mir voicet „jetzt definitiv erstmal raus aus der Nummer“. Ich kanns total verstehen und bin neidisch! Sie hat für heute definitiv einen Orden verdient. Wir haben noch ne Weile vor uns und ich keine Geduld mehr, also lasse ich mein Kind Videos auf meinem Handy schauen. Ob das jetzt pädagogisch wertvoll oder für seine Entwicklung zuträglich ist, ist mir in diesem Moment so dermaßen egal. So kann ich wenigstens mal ganz alleine zum Klo und kurz was essen. Und irgendwann höre ich endlich einen Schlüssel im Schloß und schließe erlöst die Augen. Geschafft. In solchen Momenten denke ich immer kurz an alle alleinerziehenden Mamas da draußen und knie voller Ehrfurcht in Gedanken vor euch nieder. Ihr habt meinen vollsten Respekt. Keine Ahnung wie ihr das macht. Ein paar Stunden mehr alleine mit jammerndem Kind und ich hätte für nichts mehr garantieren können. Ja und nach zwei Stunden Einschlafparty mit allen Schikanen schläft unser Lausebengel nun und ich sitze hier und genieße die Ruhe. Das Rabenkind schläft noch nicht, laut Voice versucht der Rabenpapa es gerade mit Autofahren bis der Tank leer ist und Anna kann nicht schlafen bevor sie weiß, dass der kleine Rabe endlich schläft. Das hat keine von uns in den letzten 18 Monaten so krass erlebt. Was hatten wir doch für ein Glück!  Und was für ein Glück im Unglück, dass sie gleichzeitig krank sind und wir das trotz 20 Kilometer Entfernung irgendwie gemeinsam durchstehen. Endlich schläft auch das Rabenkind und wir wünschen uns eine schlafreiche Nacht.

Was für ein Tag.

Während ich das hier schreibe, klopfe ich uns mal kurz auf die Schulter. Unsere Kinder liegen unversehrt im Bett und wir haben es irgendwie geschafft diesen Tag zu überstehen.

Und morgen?

Ist ein neuer Tag. Und was wir heute geschafft haben, schaffen wir auch wieder. Irgendwoher nehmen wir Mamas diese Kraft und wenn es mal nicht mehr geht, sind wir auch nicht zu stolz, um Hilfe zu bitten, denn wir wissen, unsere Familien sind für uns da.

Ich werd jetzt noch mit dem Hund raus gehen. Ganz freiwillig. Und die frische Luft und Stille genießen, bevor ich mich zu meinem kranken Kind ins Familienbett kuschel, ihm noch einen Kuss auf die Stirn gebe und ihm ins Ohr flüstere, dass ich auch morgen wieder für ihn da sein werde. Und übermorgen. Und an allen Tagen danach.

In diesem Sinne – Schlaft schön!

Eure Janina

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