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Stillprobleme – wenn es nicht klappt und dir keiner hilft

Janina teilt ihre kurze und leider auch tränenreiche Stillgeschichte mit euch.


Schon in der Schwangerschaft stand für mich fest, dass ich den Lausebengel unbedingt stillen wollte. Ich hab mich informiert, mir eine Hebamme zur Unterstützung gesucht (welch Ironie, dazu später mehr) und hatte alles mögliche parat: Still-BH´s, Stillkissen, Stilloberteile, Stillschal, sogar ein Stillsessel stand im Kinderzimmer.

In meinem Kopf die romantische Vorstellung, dort mit meinem Baby im Arm eine innige Stillbeziehung aufzubauen. Leider sollte es dazu nicht kommen. Schon im Kreißsaal wollte der Lausebengel nicht richtig trinken, er schrie sobald ich ihn anlegte. Anfangsschwierigkeiten dachte ich mir – das wird schon noch! Doch so ging es weiter. Die Stillberaterin meines Krankenhauses zeigte zwar zunächst guten Willen, doch sobald sie meinte, es würde aus ihrer Sicht nun klappen, war sie über alle Berge.

So begann ich schon im Krankenhaus aus Verzweiflung zuzufüttern, weil ich Angst hatte, mein kleiner süßer Lausebengel verhungert. Mit einer Milchpumpe wurde ich schließlich entlassen und zu Hause gingen die Schwierigkeiten weiter. Ich hatte mehr als genug Milch, aber beim Anlegen schrie mein Baby die Brust an als wäre sie der erklärte Feind. Meine Hebamme warf nach einigen halbherzigen Versuchen das Wort „Brustscheue“ in den Raum und ich war am Boden zerstört. Mein Kind mag meine Brust nicht?

Im völligen Hormonstrudel nahm mir dieser Kommentar so viel Hoffnung und ich begann, nur noch abzupumpen und dem Lausebengel die Milch mit der Flasche zu geben. Meine Hebamme schien damit zufrieden, hatte sie so doch keine Last mehr mit mir hinsichtlich dieses Themas. Während ich also zusah wie das Rabenkind problemlos gestillt wurde, saß ich mit der Pumpe auf meinem Sessel, der auf einmal vom Still- zum Abpumpsessel geworden war und fühlte mich einfach furchtbar.

Dieser wundervollen Erfahrung beraubt und wie die unfähigste Mutter der Welt. Ganze vier Wochen zog ich das Pumpstillen durch, auch nachts. Erst Pumpen, dann füttern – wann ich in dieser Zeit überhaupt noch geschlafen habe, ist mir ein Rätsel. Irgendwann konnte und wollte ich das nicht mehr. Doch nun einfach aufgeben? Dem Lausebengel Milchpulver geben? Muttermilch ist doch das beste! Und unsere ganzen Allergien! Kann ich ihn nicht durch die Muttermilch davor schützen? Ich rang tagelang mit mir, verbiss mich darin, es doch 6 Monate schaffen zu wollen. Doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich meinem Baby so keinen Gefallen tat. Ich verbrachte so viel Zeit an der Pumpe, der Papa des Lausebengels ging bald wieder arbeiten, es musste eine Entscheidung getroffen werden. Ich begann abzustillen (dies ist eine andere Geschichte). Und somit endete unsere kurze Still- Abpump-geschichte kaum, dass sie begonnen hatte.

Es vergeht seither kein Tag, an dem ich es nicht bereue, mir keine andere Hilfe gesucht zu haben. Es gibt ehrenamtliche Organisationen, wie die „La Leche Liga“, die schnelle und unbürokratische Hilfe anbieten. Leider habe ich davon erst im Nachhinein erfahren und mich damals voll auf den Rat und die Unterstützung meiner Hebamme verlassen. Ob ich ihr die Schuld gebe, dass es nicht geklappt hat? Ja tue ich. Ob das fair ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich besser meinen Frieden damit hätte machen können, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, alles versucht zu haben.

Es gibt Brusternährungssets, weitere Stillpositionen, einfach so vieles, was ich noch hätte ausprobieren können, wenn ich eine kompetente Unterstützung an meiner Seite gehabt hätte. Manchmal, wenn ich meine Hebamme auf der Straße sehe, bin ich richtig wütend. „Weißt du eigentlich, was du mir genommen hast?“ geht mir durch den Kopf und ich merke, dass ich noch lange nicht damit abgeschlossen habe. Dem Lausebengel geht es gut, er hat Allergien, bei unserer erblichen Vorbelastung hätte er diese aber wahrscheinlich sowieso bekommen. Wir haben uns unsere Flaschenbeziehung so schön wie möglich gemacht und auch die Momente des Fütterns stets genossen. Dennoch war es für mich als Flaschenmama unter diesen Voraussetzungen nicht immer leicht.

Mehr dazu hier: „Flaschenmama wider Willen und wie es mir damit ging

Ich wünsche allen Mamis da draußen, die den Wunsch haben zu stillen, dass euch dieser erfüllt wird. Fragt eure Hebamme direkt beim Kennenlernen, wie sie zu diesem Thema steht, so bekommt ihr ein Gefühl dafür, ob sie euch unterstützen wird und euren Wunsch berücksichtigt. Und für mich wünsche ich mir, irgendwann meinen Frieden mit dieser Geschichte machen zu können.

Alles Liebe

Eure Janina

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