Erfahrungen

Das Stilltrauma verarbeiten – Janinas Erfahrungsbericht

Wie Janina es geschafft hat, ihr Stilltrauma zu verarbeiten und welche Hilfe sie dabei hatte, lest ihr in diesem Blogartikel.


Ich habe euch schon vor einiger Zeit von meiner traumatischen Stillerfahrung berichtet (hier gehts zum Blogartikel).

Damals dachte ich, es sei vielleicht heilsam für mich, das alles aufzuschreiben und es noch einmal zu durchleben, denn ich kann euch sagen – beim Schreiben dieses Artikels sind sehr viele Tränen geflossen. Doch mittlerweile ist der Lausebengel zwei Jahre alt und diese Erlebnisse lassen mich noch immer nicht los. Ich träume davon, ich denke darüber nach, ich fühle mich schuldig. Der letzte Punkt ist wohl der belastendste. Ich habe das Gefühl, damals nicht alles versucht zu haben, nicht richtig gekämpft zu haben und das macht mich fertig. Ich merke, dass ich noch ein großes Bedürfnis habe, darüber zu sprechen und vor allem brauche ich Feedback. Ich möchte mit jemanden sprechen, der Ahnung vom Stillen hat und mir endlich sagen kann, was bei mir falsch gelaufen ist. Also wende ich mich an die La Leche Liga und habe wahnsinniges Glück. Ich komme via Email in Kontakt mit einer ganz wunderbaren, einfühlsamen Stillberaterin, die sich bereit erklärt, sich mit mir zu treffen und das Stilltrauma mit mir aufzuarbeiten. Ich bin so dankbar, diese Frau gefunden zu haben und organisiere mir für diesen Tag einen Babysitter, um mich ganz auf das Gespräch zu konzentrieren.

 

Der Tag des Gesprächs ist gekommen und ich bin etwas nervös. Ich weiß, dass ich viele schlimme Momente heraufholen werde und dass es schmerzhaft sein wird, alles noch einmal zu durchleben. Ich krame mein Stillkissen hervor, irgendwie möchte ich, dass es beim Gespräch dabei ist. Dieses Utensil, das ich in der Schwangerschaft voller Vorfreude gekauft habe und das nie wirklich benutzt wurde.

 

Wir sprechen insgesamt 1,5 Stunden und es tut wahnsinnig gut. Die Beraterin hört mir zu, ist schockiert über meine unfähige Hebamme und sagt diesen einen Satz, der mir so viel bedeutet: „Sie sind nicht Schuld.“ In der Ausnahmesituation, in welcher ich mich damals direkt nach der Geburt befand, mit der Mischung aus Schlafmangel, Hormonchaos und Verzweiflung, konnte ich nicht mehr tun, als das, was ich getan habe. Ich habe mich an zwei Hebammen und eine Stillberaterin aus dem Krankenhaus gewandt und hatte leider Pech auf ganzer Linie, an drei unfähige Personen hintereinander zu geraten. Mir fehlte einfach jemand, der mir in dieser Situation Mut gemacht und Hoffnung gegeben hätte, anstatt von „Brustscheue“ und Abstilltabletten zu sprechen. Ich fühle mich direkt etwas erleichtert, ein bischen von dieser Schuld ablegen zu können. Trotzdem wird in einem Teil von mir immer dieses „Ich habe nicht alles gegeben“ – Gefühl present bleiben, es ganz abzulegen schaffe ich einfach (noch?) nicht.

 

Wer den anderen Artikel zu diesem Thema gelesen hat, weiß, dass der Lausebengel stets die Brust angeschrien hat, sobald er „in Stillposition“ gebracht wurde. Mir wurde nur die Wiegehaltung gezeigt, bei welcher das Baby ja leicht auf der Seite liegt. Im Gespräch mit der Stillberaterin versuchen wir auf Ursachensuche zu gehen. Sie vermutet, da dieses Verhalten ja direkt im Kreißsaal beim ersten Anlegen auftrat, dass mein Baby einfach eine Blockade oder eine Verletzung im Schulterbereich hatte. Zum Beispiel ein angebrochendes Schlüsselbein kann durch die Enge des Geburtskanals schnell auftreten und verursacht natürlich Schmerzen. Total verständlich, dass mein Baby nicht saugen wollte, wenn er an der Brust lag, weil diese seitliche Haltung bei ihm wahrscheinlich Schmerzen ausgelöst hat. Natürlich sind das im Nachhinein alles nur Spekulationen und Vermutungen, aber es tut gut, zu hören, dass es so etwas wie „Brustscheue“ schlicht und einfach nicht gibt und es immer eine andere Ursache hat, wenn ein Baby nicht an der Brust trinken will, denn dafür sind neugeborenen Baby gemacht. Ich habe so viel darüber nachgedacht, warum der Lausebengel immer so reagiert hat, habe es auf mich geschoben, aber an so eine einfache Ursache wie Schmerzen habe ich nicht gedacht. Es wäre so einfach gewesen, andere Stillpositionen auszuprobieren, in welchen er gerade liegt, hätte mir diese jemand gezeigt.

 

Zuletzt sprechen wir noch darüber, wie es wäre, würde ich noch ein zweites Kind bekommen (was derzeit noch nicht geplant ist!). Sie bietet mir an, dann schon in der Schwangerschaft eine der kostenfreien Stillgruppen der La Leche Liga zu besuchen und mir viele Infos über das Stillen zu holen. Zudem zeigt sie mir unterschiedliche Stillpositionen, spricht von der Überflüssigkeit von Stillhütchen und der Komplexität des Milchspendereflexes. Ich freue mich, etwas Hintergrundwissen zu bekommen, was mir damals so gefehlt hat und schöpfe Hoffnung, in meinem Leben doch noch einmal die wunderbare Erfahrung machen zu dürfen, mein eigenes Kind zu stillen.

 

Insgesamt bin ich so froh und dankbar, mich dafür entschieden zu haben, dieses Gespräch zu suchen. Es tat mir sehr gut, noch einmal darüber zu sprechen, nach Ursachen zu suchen und vor allem, etwas Schuld von mir weisen zu können.

Wenn ich nun an das Stillen denke oder stillende Mütter sehe, bin ich nicht mehr traurig und bedrückt, sondern irgendwie voller Vorfreude.

Vorfreude darauf, das vielleicht doch noch irgendwann erleben zu dürfen, ich glaube nun fest daran, dass es beim zweiten Kind klappen würde und die Hilfe und Unterstützung dieser tollen Stillberaterin haben würde.

 

Ich wünsche jeder Mama, die stillen möchte, dass sie die Hilfe bekommt, die sie braucht und kann euch nur ermutigen, euch an die La Leche Liga Deutschland e.V. zu wenden. Ihr könnt dort nach Stillberaterinnen in eurer Nähe suchen und könnt sicher sein, dass ihr an kompetente Frauen geratet, die wissen, wovon sie sprechen.

 

Danke noch einmal an Angelika Dordel, du hast mir sehr geholfen, ohne etwas dafür zu verlangen, ich werde hoffentlich irgendwann mein Versprechen wahr machen können.

 

Eure Janina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.