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Flaschenmama wider Willen – wie es mir damit ging

Janina berichtet euch davon wie sie mit dem Thema Flaschennahrung und ihren widersprüchlichen Gefühlen diesbezüglich umgegangen ist.


Da war ich nun – auf einmal eine Flaschenmama, die ich doch gar nicht sein wollte. (Wie es dazu kam: „Stillprobleme – wenn es nicht klappt und dir keiner hilft“) Wir kauften den halben Rossmann leer: Milchpulver, Fläschchen, Sauger, Thermoskanne, Flaschenwärmer, Vaporisator…

Jeden Tag also nun Flaschen spülen, desinfizieren, für die Nacht vorbereiten – eine Menge Arbeit! Doch das war nicht mal der Punkt, der das Flaschenmamadasein für mich anfangs so schwer machte.

Schlimmer noch war es, mich irgendwie als „Exot“ zu fühlen. Die erste Stunde im Rückbildungskurs, unsere Kursleiterin stellt die von mir gefürchtete Frage: „Wer stillt denn von euch?“ Alle Arme gehen hoch. Nur eine einzige Mama outet sich neben mir als Flaschenmama – ironischerweise hatten wir tatsächlich dieselbe Hebamme. Ich kam mir vor wie eine Versagerin, irgendwie wie eine weniger gute Mama. Im PEKiP-Kurs das gleiche. Öffneten die anderen ihre Still-BH´s, öffnete ich meine prall gefüllte Wickeltasche und begann, warmes und kaltes Wasser zu mischen und schüttelte Fläschchen für den Lausebengel.

Der Anblick der selig nuckelnden Babys an ihren Mamas versetzte mir jedes mal einen Stich. Ich hatte das Bedürfnis, mich zu erklären, den anderen meine Geschichte zu erzählen, um nicht als Mama gesehen zu werden, die ihrem Kind die Muttermilch vorenthält, weil sie keine Lust hat zu stillen.

Ich glaube niemand hätte mir einen Vorwurf gemacht, oder mich dafür verurteilt, doch spürte ich die Blicke auf mir, wenn ich meinem wenige Wochen alten Baby die Milch aus der Flasche gab. Selbst in der Öffentlichkeit habe ich mich irgendwie geschämt. Während andere sich genieren, in der Öffentlichkeit zu stillen, machte es mich verlegen, von anderen Mamas beim Flasche geben gesehen zu werden. Je größer der Lausebengel wurde, desto einfacher wurde es. Die ersten Mamas in meinem Bekanntenkreis stillten ab und ich fühlte mich endlich nicht mehr als Aussetzige.

Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, kann ich zumindest sagen, dass es der Beziehung zwischen mir und dem Lausebengel nicht geschadet hat, ihm nicht die Brust gegeben zu haben. Wenn er nachts verschlafen an seiner Flasche nuckelnd auf mir lag, konnte ich ihn nur ansehen und küssen vor lauter Glück. Wir hatten unsere kleine Milchstation mit Wasserkocher und Cooltwister (übrigens eine geniale Erfindung!) am Bett und irgendwann habe ich wahrscheinlich Rekordzeiten aufgestellt im Fläschchenmachen. Manchmal würde ich behaupten, dabei nicht einmal wirklich wach gewesen zu sein, doch die Milch hatte immer die perfekte Temperatur.

Nun ist unsere Flaschenzeit schon vorbei, der Lausebengel wollte sie mit 14 Monaten auf einmal nicht mehr und ich bin ehrlich gesagt froh darum.

Und die Moral von der Geschicht?

Wir Flaschenmamas sind keine schlechteren Mütter, nur weil unsere Kinder keine Muttermilch bekommen, die Mutterliebe ist viiiiiel wichtiger.

Eure Janina

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